Meine Zuckerfreiheit

Ständig müde, abgeschlagen, antriebslos? Das kann ja viele verschiedene Gründe haben. Und es ist immer ein bisschen Stochern im Nebel was denn nun dagegen helfen könnte. Anfang Januar postete eine Freundin auf Insta von ihrem Weihnachtsgeschenk – einem Buch über Zuckerfreiheit. Nachdem ich das zunächst ignoriert hatte, kamen meine Gedanken doch immer wieder darauf zurück und ich habe mich dann ein paar Wochen später doch näher damit beschäftigt und recherchiert. Schnell kam ich auf die „40-Tage-ohne-Zucker-Challenge“ die in verschiedensten Foren propagiert wird.

Mich begeisterte direkt das „Projekt gesund leben“ von Hannah Frey. Nach Anschaffung des Buches und vielen Informationen entschied ich mich ebenfalls an der Challenge teilzunehmen. Die anstehende Fastenzeit war dafür ein idealer Zeitpunkt. Fast euphorisch genoss ich über Karneval Berliner und Zucker in rauhen Mengen um dann ab Aschermittwoch endlich darauf verzichten zu können. Die Vorbereitung lief gut. Ich kaufte ein, backte Brot und freute mich wie ein kleines Kind auf den ersten Tag. Dann ging es los. Ab dem ersten Tag trank ich den Kaffee schwarz, aß mein eigenes Brot und steuerte auch sonst recht sicher durch die Zuckerfreiheit. Natürlich mit Ausrutschern. Wer konnte schon ahnen, dass dieses Tomatenmark, welches gerade tubenweise in meiner stolz selbstgemachten Bolognese verschwunden war, hauptsächlich aus Zucker bestand … ups…

Enttäuschungen gab es eher auf der anderen Seite. Als beim Familienessen der Kartoffelsalat und die belegten Brote „extra ohne Zucker gemacht wurden“ musste ich aufklären, dass ich gerade NICHTS von alledem esse. Süß dieser feste Glaube daran sich komplett gesund zu ernähren, war ja schon immer so! Und überhaupt braucht man Zucker und wenn ich jetzt keinen mehr esse, dann werde ich sicher morgen am Tag tot umfallen… Dass ich noch lebe entkräftet diesen Mythos. Nach überstandenen Familienfeiern und getrennte Nahrungsaufnahme im eigenen Haushalt, konnte ich nach wenigen Tagen… keine Veränderungen feststellen. Enttäuschung. Es ging mir irgendwie nicht schlechter, nicht besser, nicht anders… Ich wartete. Was soll sich nach einer Woche schon ändern, wenn man 30 Jahre lang Zucker gegessen hat. Ich übte mich in Geduld und wartete weiter.

Zuckerfrei bedeutet im Übrigen zuckerfrei und nicht „ein bisschen weniger Süßigkeiten“. Ich verzichtete auf Getreide aller Art, Kartoffel, Nudeln, Reis, fruktosereiches Obst und natürlich alles was mit Industriezucker verarbeitet ist. Also fast alles. „Was isst du denn dann noch?“ war eine durchaus berechtigte Frage. Doch die Produktpalette ist gar nicht so klein. Steak geht immer! Gefolgt von anderen Fleischsorten, Fisch, Käse und Gemüse. Halt alles wo der Mensch nicht so schrecklich viel dran rumwerkelt um es hübscher, süßer, haltbarer oder sonstwie anders zu machen. Man nennt es „Clean eating“. Isst also alle Lebensmittel die weitestgehend unverarbeitet sind. Laktosefreie Kuhmilch habe ich getrunken, weil Mandelmilch echt nicht so lecker schmeckt wie sie klingt. Ansonsten Wasser, schwarzer Kaffee und ungesüßte Tees. Geht alles. Man muss halt auch ein bisschen wollen! Die Notmandel wurde mein bester Freund und im Restaurant habe ich mir zum Salat mit Essig und Öl halt mein eigenes Brot mitgenommen. Da ich unheimlich schlecht auf Pasta verzichten kann, habe ich in der Zeit glutenfreie Nudeln gekauft. Schmecken genauso, brauchen etwas länger beim Kochen.

Den tollen Tipp von Lars aus dem E-Mail-Coach „mach alle 3 Tage ein Foto von dir“ und bemerke wie schnell sich dein Körper verändert … haha… war auch ein Trugschluss. Zumindest bei mir. Nach 5 Fotos habe ich es dran gegeben, weil sich einfach gar nichts verändert. Ich habe aufgegeben. Wenn mein Körper seinen Speck partout nicht abgeben will, dann soll er ihn halt behalten.

Dafür passierten andere Sachen. Schlichen sich fast unbemerkt ein. Ich spüre Energie! Ich bin fit und halte lange Bürotage ohne Müdigkeitserscheinungen aus. Ebenfalls bleibt das Mittagstief aus, weil die Mahlzeiten wesentlich bekömmlicher (und frei von Zucker) sind. Ich spüre kaum, wenn ich etwas gegessen habe. Früher hatte ich häufig Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme. Mittlerweile bin ich wach und fit und fühle mich kaum noch „überfuttert“. Außerdem habe ich wieder Lust auf Sport. Was lange eine Qual war und schließlich komplett eingestellt wurde, geht plötzlich wieder wie von alleine. Es entsteht geradezu ein Drang nach Bewegung und frischer Luft. Außerdem nehme ich bewusster war und kann viel besser entspannen. Meine neue Leidenschaft ist Pilates und ausgedehnte Runden auf den Inlineskates um den See.

Mein Fazit: Nach 40 Tagen ist das Projekt für mich nicht beendet. Es hat nicht die erwarteten weltbewegenden Veränderungen gebracht. ABER… im Grunde ist das auch ein gutes Zeichen, denn es zeigt eigentlich nur, dass ich auch schon vorher keinen übermäßig großen Zuckerkonsum hatte. Die ganz Süßen unter uns werden wahrscheinlich größere Veränderungen spüren. Dennoch tat mir das Projekt gut. Ich kann nur jedem empfehlen einmal seinen inneren Schweinehund zu überwinden und es auszuprobieren. Jeder Mensch ist anders und jeder wird andere Ergebnisse spüren. Zu Für- und Wider gibt es zahlreiche Bücher und Foren in denen man sich eine Meinung bilden kann.

Ich für mich finde es einfach nicht okay, dass die Industrie alle unsere Lebensmittel bis zur Unkenntlichkeit verarbeiten muss. Dadurch wird nichts besser, im Gegenteil. Es wird nur schlimmer. Und das schadet uns und unserer Gesellschaft. Es verursacht Krankheiten, was große Folgen für unser Gesundheitssystem hat. Und all das müsste nicht sein, wenn wir uns einfach mal wieder zurück besinnen und essen, was die Natur uns gibt. Natürlich brauchen wir Zucker. Aber unser Bedarf an Zucker wird bereits durch sein natürliches Vorkommen in unseren Lebensmitteln gedeckt. Schokolade und Cola braucht eigentlich kein Mensch. In meiner Linksammlung findet ihr ein paar Tipps zum zuckerfreien Leben. Außerdem meine größten Zuckererkenntnisse und meine neuen Lieblingsrezepte.

Ein großer Dank fürs Durchhalten geht an:
Hannah Frey von Projekt gesund leben
Die Kitchengirls für die coolen Stories und super Rezepte
Lars von 40 Tage ohne Zucker für den tollen E-Mail Coach

Meine größten Zuckererkenntnisse:
Orangensaft (hat so viel Zucker wie Cola)
Gewürzgurken
Weintrauben
Tomatenmark
Salatsauce (also das Pulver in den Tüten zum Anrühren)

Was ich so gegessen habe:


Und hier noch meine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.