Kleidung kaufen oder selber machen?!

Seit dem ich meinem Kleiderschrank eine Radikaldiät verordnet habe und nun die Sommersachen den Herbst- und Wintersachen gewichen sind muss ich zugeben, dass es im Schrank ganz schön luftig geworden ist. Das hat den Vorteil, dass die Auswahl der Kleidung am Morgen klein ist und das Fertigmachen relativ schnell geht. Der Nachteil ist allerdings, dass man auch schnell ohne Hose da steht, wenn die beiden einzigen Modelle in der Wäsche sind.

Der Sommer ist kleidungstechnisch ja relativ einfach. T-Shirts, Tops und leichte Hosen aus Baumwolle oder Leinen sind in ausreichender Vielfalt vorhanden. Mit der Sommermode hat es die Modeindustrie materialtechnisch also relativ leicht. Auch zum Vernähen gibt es jede Menge Naturstoffe. Wenn es kalt wird, sieht das schon anders aus.

Ich besitze nur noch zwei dunkelblaue Jeans, ein paar Pullis und Blusen. Um vor allem mein Hosenportfolio etwas zu erweitern, wollte ich gerne eine neue kaufen. Endlich mal shoppen gehen, weil man etwas braucht. Wirklich nötig braucht 🙂 Seit März hatte ich keine Modegeschäft mehr betreten. Direkt im ersten Laden erfolgte aber schon die Ernüchterung. Ich hatte im Fenster eine schöne Hose gesehen. Scheinbar Wolle. Scheinbar. Nachdem ich sie probiert hatte und die Verkäuferin ganz aus dem Häuschen war, war ich das kurze Zeit später auch. Von wegen Wolle. Viskose, Polyester, Elasthan. 100% Plastik. An der Hose war ein Schaf nicht mal vorbei gelaufen. Enttäuschung macht sich breit. Nächste Geschäft, gleiche Problem. Einen Laden noch, letzte Chance. Ebenfalls 100% Plastik. Scheinbar verarbeitet die Industrie gar keine Naturmaterialien mehr. Das erste Mal bin ich mit leeren Händen vom shoppen heimgekommen. Und immer noch keine dritte Hose. Völlig genervt von diesen furchtbaren Materialien sind erstmal noch drei Pullover mit dem bösen P-Wort (Polyester, Polyacryl, …) aus dem Schrank geflogen.

Es hilft alles nichts, wer gerne keine künstlichen Materialen tragen möchte, der muss selber ran. Entweder beim Nähen, oder beim Stricken. Und es macht wirklich einen großen Unterschied. Reine Wollpullis sind nicht unbedingt kratzig, vor allem regulieren sie die Temperatur hervorragend. Außerdem muss man sie kaum waschen, gut lüften reicht in der Regel vollkommen aus. Wasser spart man also auch noch.

Ich habe viele Onlineshops durchkämmt. Die meisten konventionellen verarbeiten ebenfalls viele künstliche Fasern. Doch es gibt mittlerweile auch einige Naturlable, die moderne, schöne und vor allem nachhaltige Mode anbieten. Auf der Haut fühlen sich diese Sachen viel angenehmer an. Außerdem riecht man auch nicht mehr so streng, wenns mal wärmer wird 😉

Meine Favoriten bei Oberteilen sind Merino, Cashmere, Baumwollsweat (Achtung: Gibt es mit und ohne Elastan) und Wollwalk. Bei Hosen gehen reine Wollstoffe oder Baumwollstoffe wie Jeans oder Cord. Nach dem #capsulewardrobe Prinzip braucht man auch nicht viele Teile, wenn man alles gut kombinieren kann. Lieber mal ein teureres echtes Naturteil statt drei Plastikteile, die nicht nur schlecht für einen selber, sondern vor allem auch für die Natur sind. Ein genauer Blick ins Etikett lohnt sich immer. Oft fühlen sich Materialien hochwertig und natürlich an, nicht selten verstecken sich aber jede Menge künstliche Fasern im Kleidungsstück. Ärgerlich ist es dann, wenn diese minderwertigen Teile auch noch viel Geld kosten. Denn einst steht fest, günstige und teure Marken verarbeiten gleichermaßen künstliche Materialien.

P.S.: Ich besitze mittlerweile eine dritte Hose. Eine selbst genähte Cordhose 🙂