Corona – Die Krise eine Chance…?!

Die Nachrichten waren gerade ein paar Stunden alt, da waren schon viele genervt und „Corona“ wurde schon da gefühlt zum Unwort des Jahres 2020. Corona war das Reizthema schlechthin. Wer hätte vor zwei Wochen gedacht, dass wir erst ganz am Anfang einer echten Krise stehen und sich die Situation für uns alle noch dramatisch verändern würde? Ich befinde mich schon in Woche zwei dieses Pandemie-Wahnsinns und so langsam gelingt es mir die Situation einzuordnen und zu verstehen. Doch zunächst waren die Tage sehr anstrengend. Ich war von Anfang an getrieben von einer inneren Unruhe, die mich weder schlafen noch klar denken ließ. Die Nachrichtenlage spitzte sich von Tag zu Tag zu. Jeder schickte Artikel, jeder wusste was Neues. Vieles davon Falschmeldungen.

Die letzten zwei Wochen verflogen so rasend schnell. In wenigen Stunden und Tagen wurde unser ganzes, normales Leben auf den Kopf gestellt. Ich erinnere mich an jenen Montag, an dem wir zum ersten Mal beraten und besprochen hatten was da passiert und ob es vielleicht sinnvoll wäre etwas an unseren Planungen und unserem täglichen Job zu verändern, schließlich planen wir Großveranstaltungen bei denen weit mehr als 1000 Besucher zusammen kommen. Wir versuchten die Situation zu verstehen und einzuordnen. Und was anfänglich als Panikmache abgetan wurde, wich binnen weniger Tage einer handfesten Krise. Die sich überschlagenden und durchaus alarmierenden Informationen, die ich an meinem Arbeitsplatz im Rathaus mitbekam, machten mich total rappelig. Am Freitagnachmittag wurden die Schulen geschlossen, eine erste drastische Maßnahme, die aufhorchen lassen sollte. Doch am Wochenende schien die Sonne und die Eisdielen in der Stadt waren voll. Alles schien normal. Aber gar nichts war normal. Mein Verstand wollte das nicht verarbeiten. Scheinbar nicht nur meiner… Am Wochenende kamen weitere Informationen und Maßnahmen auf meinem Handy an. Sämtliche städtische Einrichtungen wurden sofort geschlossen. Am Montag endlich eine fast erlösende Maßnahme. Schichtarbeit! Abstand zwischen die Mitarbeiter bringen, Personal ausdünnen. Ich wechsele mich mit zwei Kollegen ab und ich darf erstmal zwei Wochen ins Homeoffice. Dieses Gefühl aus dieser Corona-Informations-Hauptzentrale erstmal heraus zu kommen, war für mich eine echte Erleichterung. Aber auch zuhause kam ich zunächst gar nicht zur Ruhe. Dann riss ich die Reißleine. Ich bekam so viele Informationen, Artikel, Nachrichten. Jeder wusste was… Mein Bedarf an Informationen war gedeckt… Und zwar maßlos. Handy aus, Fernsehen aus, Verstand aus. Und meine Unruhe wurde weniger. Ich war so froh einfach nur zuhause sein zu können und nirgendwo hin zu müssen. Der Terminkalender war von heute auf morgen für die nächsten Wochen leer gefegt. Keine Verpflichtung, kein Zeitdruck, kein Hetzen von Termin zu Termin. Endlich fühlte sich der Tag wieder so an als hätte er wirklich 24 Stunden. Und ich gewöhnte mich nach und nach an diese neue Situation. Telefonkonferenz vom Sofa aus und nebenbei Kartoffeln kochen. Arbeitsunterbrechung durch Fensterputzen und zwischendurch eine Kaffeepause, da wir uns nun das Homeoffice zu Zweit teilen dürfen. Das sind total schöne neue Erfahrungen, die uns auch in der Partnerschaft nochmal auf einer völlig neuen Ebene zusammenbringen.

Immer eindringlicher werden die Apelle von Politik und Wissenschaft, bitte endlich zuhause bleiben und soziale Distanz zu üben. Allein der gesunde Menschenverstand sollte die täglichen Informationen der zahlreichen Pressekonferenzen doch endlich verstehen. „Bleiben Sie zuhause“ und „meiden Sie soziale Kontakte“ heißt eben nicht, lassen Sie ihre Kinder zusammen auf der Straße spielen, oder fahren Sie in den Baumarkt, weil jetzt die Schwimmbäder und Kinos geschlossen sind, oder treffen Sie sich mit Freunden zum Grillen, weil die Kneipe zu ist. „Meiden Sie soziale Kontakte“ heißt eigentlich schlicht und einfach: „Bleiben Sie zuhause“. Noch nie in unserer Geschichte war es so einfach mit nichts tun und zuhause bleiben Menschenleben zu retten. Wann immer die Menschen gefordert sind aufzustehen, raus zu gehen, mitzumachen, etwas zu bewegen – bleiben Sie auf der Couch. Jetzt sollen sie einmal genau da sitzen bleiben, jetzt gehen alle raus?! Das ist doch nicht euer Ernst…! Das macht mich echt wütend!

Benehmt euch und bleibt zu Hause. Denkt an die anderen. Seid solidarisch. Nutzt die Zeit für euch, für die Familie, für die Freunde. Ruft euch an, sprecht miteinander, schreibt Briefe, nutzt die sozialen Medien. Es gibt so viele Möglichkeiten. Ruft die Nachbarn an, kümmert euch um Eltern und Großeltern. Und schaut einfach mal nach rechts und links. Nicht jeder kommt mit dieser Situation gleich gut zurecht. Ich hatte anfangs echt große Probleme und dann macht es einfach traurig und einsam, wenn Freunde und Mitmenschen das nicht merken und verstehen. Ich hoffe so sehr, dass wir auch im sozialen Miteinander aus dieser Krise lernen und sie uns am Ende eine große Chance gibt. Eine Chance für alle.

Ich frage mich was uns die Zeit nach Corona bringt. Wenn wir alle mehr oder weniger heil aus dieser Zeit heraus kommen sind. Was wird anders zwischen den Menschen? Werde ich jemals wieder jemandem die Hand reichen. Werde ich jemals wieder Menschen von Herzen in die Arme schließen. Werde ich Nähe jemals wieder als Fürsorge empfinden. Oder bleibt ein Stück Distanz zwischen den Menschen?! Ich glaube ich werde gerade sensibler, ich werde aufmerksamer, ich werde irgendwie auch verletzlicher und ich merke was mich hält und was nicht. Vielleicht ist auch das eine Chance.

Die Umwelt jedenfalls bedankt sich schon jetzt. Das Klima wird besser, weil keine Flugzeuge mehr fliegen. Das Wasser wird klarer, weil keine Schiffe mehr fahren. Wann endlich merkt der Mensch, dass wir unseren Planeten seit Jahren und Jahrzehnten komplett überfordern. Er unter unserem Handeln ächzend zusammenbricht, wenn wir nicht sofort damit aufhören… Jetzt zwingt dieser kleine, unsichtbare Gegner uns genau dazu und macht uns deutlich was lange dringend nötig war. Wir haben die große Chance jetzt etwas zu verändern. Wäre es nicht schön, wenn wir nach dieser Zeit nicht sofort wieder in alte Mustern verfallen. Sondern überlegen was wirklich wichtig ist. Mit wie wenig man im Grunde auskommen kann und das ein Leben im ständigen Überfluss gar nicht notwendig ist. Corona zwingt uns eine Pause zu machen und will uns zeigen, wie dringend nötig und wichtig diese Pause für uns ist. Machen wir doch auch alle eine Pause und schauen mal was bleibt, wenn man vieles loslässt.

Bleibt gesund!