Ausgebrannt oder doch nicht…?

Ich habe lange überlegt und mit mir gerungen ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Ich frage mich die ganze Zeit ob es berechtigt ist oder ob ich vielleicht doch spinne. Ist es nur Anstellerei oder Einbildung, ist es Kopfsache oder einfach nur eine „Kein-Bock-Phase“? Oder sind es wirklich ernstzunehmende Zeichen, die mir mein Körper da sendet und ist es tatsächlich doch eine Krankheit? Wann ist man denn eigentlich krank? Husten, Schnupfen, Arm gebrochen? Ist es eine Krankheit einfach müde zu sein? Morgens im Bett zu liegen und nicht aufstehen zu können? Aber mir tut ja gar nichts weh. Was sage ich denn dem Arzt wenn ich dahin gehe? Ich hab nix, ich bin nur müde. Aber ich möchte bitte krank geschrieben werden?! Meine Grenze zum Arzt zu gehen liegt sehr hoch! Selbst mit Erkältung gehe ich arbeiten, denn man kann ja nicht einfach krank sein. Und jetzt habe ich auch noch einen Zustand in dem ich ja eigentlich gar nix habe. Oder eben doch?! Sicher war das alles ziemlich viel die letzten Wochen. Stress auf der Arbeit, viel unterwegs, wenig Schlaf. Sicher ist mein System und meine Routine außer Kontrolle geraten. Aber das weiß ich ja. Diese Phase gibt es jedes Jahr und seit vielen Jahren lebe ich ja auch ganz gut damit. Was ist also auf einmal anders? Vermutlich ist es Kopfsache. Wenn dein Kopf und deine innere Einstellung auf einmal nicht mehr konform sind mit dem was du tust und du anfängst daran zu zweifeln ob das was du da tust noch gut und richtig ist, dann machst du Tür und Tor auf für negative Einflüsse auf deinen Körper. Offensichtlich ist es nicht mehr alles gut und richtig, sonst hätte ich diese Gedanken und diesen Zustand nicht.

Aber bevor man das erkennt und etwas dagegen unternimmt, redet man sich ein, dass ja alles nicht so schlimm ist und dann ist die Zeit ja auch bald vorbei und dann hat man Urlaub und alles wird wieder gut. Und dann hast du irgendwie alles überstanden und hast Urlaub und freust dich auf die Zeit für dich, das gute Wetter, genügend Schlaf. Kannst endlich die vielen Dinge erledigen, die du dir vorgenommen hast und dann liegst du da und fühlst dich schlapp, müde und überfordert. Und du kannst den Zustand nicht erklären, denn du hast ja Urlaub und kannst dich ausruhen.

Gestern Abend konnte ich mal wieder nicht einschlafen, weil mich Kopfschmerzen und Unruhe plagten. Und da man ja auch nicht mitten in der Nacht anfängt große Projekte zu starten, für die man eigentlich eh keine Energie hat, habe ich einen Podcast der wundervollen Dana von Ichgold gehört. Sie hat das was ich hier beschreibe in ähnlicher Form erlebt, doch die Auswirkungen auf ihren Körper waren noch viel krasser als bloß Müdigkeit. Und sie ist der Sache auf den Grund gegangen und hat die Ursache erkannt und in dem Podcast geteilt. Und letztlich war dieser es, der mich entscheiden ließ diesen Beitrag doch zu schreiben. Denn es ist sicher keine Einbildung und keine Spinnerei wenn der Körper uns deutliche Signale sendet.

Wir stehen ständig zur Verfügung, sind rund um die Uhr für alle da, da für unseren Job, für unsere Familie, für unseren Partner. Wir funktionieren, weil es in unserer Gesellschaft eine Schwäche ist dies mal nicht zu tun. Natürlich kann ich die Aufgabe noch übernehmen, natürlich kann ich dies noch zusätzlich machen, natürlich bin ich zu dem Termin da. Nein zu sagen schickt sich nicht! Es wäre ein Zeichen von Überforderung und wer gibt schon gerne zu überfordert zu sein. Und man steht ständig zur Verfügung und geht innerlich über seine Grenzen hinaus obwohl man denkt, man sorgt für sich und passt auf sich auf. Und man versucht mit Sport und Ruhe und genügend Schlaf alles noch irgendwie im Gleichgewicht zu halten. Und doch werden die Zeichen des Körpers immer größer und es rafft dich immer weiter hin. Und hörst du immer noch nicht zu dann wird der Körper dir weitere Beweise schicken, dass nun endlich mal Schluss ist! An diesem Punkt bin ich gerade und ich werde mir nun Gedanken machen müssen wir ich all die Probleme lösen kann. Wie ich es schaffe Akzeptanz und Respekt zu erlangen für mich und meine Situation. Es muss mal erlaubt sein nur da zu liegen und nichts zu tun und auch mal nein zu sagen und nicht immer nur auf den nächsten Urlaub zu warten um diesen im Bett zu verbringen. Es muss auch im Alltag möglich sein sich raus zu nehmen und sich Pausen zu gönnen um sich nicht dauerhaft zu verschleißen. Wie schön wäre es, wenn es in unserer Gesellschaft dafür Akzeptanz gäbe statt immer nur noch mehr Leistungsanforderungen!

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